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Reineke Fuchs
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Reineke Fuchs ist die Hauptfigur eines Epos in Versen und in Prosa, dessen Tradition bis ins europäische Mittelalter zurĂźckreicht. Eine 1498 in LĂźbeck gedruckte niederdeutsche Versfassung Reynke de vos entwickelte sich im 16. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum zum Bestseller. Darin wird erzählt, wie sich der Ăbeltäter Reineke, der Fuchs, durch geniale LĂźgengeschichten und ausgesuchte Bosheiten aus allen prekären Lagen rettet und am Ende gegen seine Widersacher als Sieger durchsetzt.
Die bereits seit dem 16. Jahrhundert erfolgten hochdeutschen Ausgaben, insbesondere die ProsaĂźbertragung von Johann Christoph Gottsched im Jahre 1752, Ăźberlieferten die Geschichte in ihrer jahrhundertealten deutschsprachigen Fassung nahezu unverändert bis auf den heutigen Tag. Das Werk und sein Titelheld inspirierten seit der Mitte des 16. Jahrhunderts Ăbersetzer, Schriftsteller und Illustratoren. Die heute gebräuchliche Namensform Reineke Fuchs wurde zuletzt durch das gleichnamige Versepos Johann Wolfgang von Goethes etabliert.
Contents
⢠Inhalt
⢠Merkmale
⢠Illustrationen
⢠Kommentare
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Die Geschichte von Reineke
Inhalt
Die seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert im Druck ßberlieferte fabelhafte Geschichte eines Fuchses besteht aus zwei Teilen, die jeweils von einem Gerichtsverfahren erzählen. Der LÜwe Nobel, KÜnig der Tiere, hat zu Pfingsten zum Hoftag geladen. Die Anwesenden, groà und klein, allen voran Isegrim, der Wolf, beschweren sich ßber die Untaten des nicht anwesenden Fuchses Reineke und fordern seine Bestrafung. Braun, der Bär, und Hinz, der Kater, werden nacheinander losgeschickt, um Reineke aus seiner Burg Malepartus an den Hof zu holen. Beide scheitern, Reineke bringt sie gezielt in Lebensgefahr, und sie entrinnen, schwer malträtiert, knapp dem Tode.
Der KÜnig nimmt die Schmach persÜnlich und setzt Reinekes Erscheinen vor Gericht durch. Das Urteil lautet auf Tod. Unter dem Galgen, den Kopf bereits in der Schlinge, gelingt Reineke die Erfindung einer als Beichte getarnten Lßgengeschichte von Verrat und Goldschatz, die den Bären Braun und den Wolf Isegrim zu Hochverrätern erklärt und den LÜwen Nobel gierig macht. Reineke wird entlassen und macht sich unter dem Vorwand einer Pilgerreise nach Rom auf und davon. Reinekes Verrat wird offenbar, nachdem er den abgebissenen Kopf seines Pilgergefährten Meister Lampe, des Hasen, an den KÜnig zurßckgeschickt hat. Braun und Isegrim werden rehabilitiert von Nobels Gnaden.
Nachdem Grimbart, der Dachs, Reineke erneut zum Hof gebracht hat, entwickelt sich eine zweite Gerichtsverhandlung, in der weitere Schandtaten Reinekes ans Licht kommen und in Reden der Anklage und der Verteidigung verhandelt werden. Reineke verweist zwar auf allerlei Wohltaten seiner Familie am Hofe, insbesondere auch auf die Rettung von Nobels krankem Vater durch seinen eigenen. Der Vorwurf Isegrims jedoch, Reineke habe seine Gattin Gieremund geschändet, veranlasst Nobel zu der Entscheidung, Isegrim und Reineke in einem Ăśffentlichen Zweikampf gegeneinander antreten zu lassen. FĂźr den Fuchs bedeutet dies das zweite Todesurteil, denn er ist dem Wolf kĂśrperlich unterlegen. Reineke gewinnt, indem er den Wolf mit schmerzhaften Unsportlichkeiten auĂer Gefecht setzt. Das Ăźberzeugt das Publikum und veranlasst den KĂśnig Nobel, Reineke zu seinem Rat und zum Kanzler des Reichs zu ernennen.cite-ref-1[1]
Merkmale
Das sich tĂźrmende LĂźgengebäude des Fuchses hat eine Verdichtung seiner Heucheleien, Bosheiten und Gewalttaten zur Folge, woraus der Zweikampf am Ende konsequent entwickelt ist, ähnlich dem sogenannten Showdown klassischer Filmgenres. Der innere Aufbau der Erzählung besteht in einer die Handlung steigernden VerknĂźpfung von Episoden, in denen der Fuchs jeweils mit Widersachern oder fĂźr ihn herausfordernden Situationen konfrontiert wird; die Episoden werden zudem fĂźr Binnenerzählungen genutzt, die â wie zum Beispiel in den Anklage- und Verteidigungsreden oder anlässlich der Beichten Reinekes â nicht nur der Steigerung der Gegenwartshandlung dienen, sondern auch unterschiedliche Sichtweisen der Beteiligten auf die Taten Reinekes gestatten. Seit dem 15. Jahrhundert wurde der Text in Kapitel und BĂźcher gegliedert.
Die Tiere im Reineke Fuchs sind anthropomorphe GeschĂśpfe; sie werden durch Eigennamen individualisiert und sind mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet. Die Figuren folgen in ihren Handlungen einerseits ihrer tierischen Natur, andererseits den Regeln menschlichen Zusammenlebens. So enthält das Geschehen BeweggrĂźnde, die allen Lebewesen gemeinsam sind, wie zum Beispiel die Nahrungssuche oder die Flucht vor Verfolgung, ebenso wie Elemente ausschlieĂlich menschlicher Ordnung, wie zum Beispiel den Ehebruch oder die Formen der Anklage und Verteidigung vor einem Gericht. Die fĂźr die Handlung ausschlaggebenden Charaktere, insbesondere Nobel, Braun, Reineke und Isegrim, sind gekennzeichnet durch Eitelkeit, Dummheit, List und Gier; diese ZĂźge werden in den zahlreichen Nebenfiguren und ihren Schicksalen fortgesetzt und erweitert zu einem Panoptikum, in dem die menschliche TragĂśdie von Macht, Gewalt und Tod gestaltet ist als eine tierische KomĂśdie.cite-ref-2[2]
Die Fuchs-Epen des Mittelalters
Der âschlaue Fuchsâ findet sich in den Sagenkreisen jener Gegenden der Welt, in denen Vulpes, der Fuchs, beheimatet ist, wie in Eurasien, Nordamerika und dem Mittelmeerraum. In Europa tauchte er in der Literatur der Antike auf. In einer der Fabeln des Ăsop wird von einem Fuchs erzählt, der einen kranken LĂśwen heilt; der Ursprung Reinekes wird dort vermutet. Im europäischen Mittelalter sind Tiererzählungen mit einem Fuchs durchgehend nachzuweisen, so kursierten zum Beispiel die von Ăsop inspirierten lateinischen Fabeln von Phaedrus, Babrios und Avianus in den Handschriften. Seit dem 12. Jahrhundert erschien der Fuchs auch als tragende Figur, die als Reinardus, Renart, Reinhart, Reynaert oder Reynard mit einem sprechenden Namen auftrat, einer Komposition aus regin- (=Rat) und -hart (=stark, kĂźhn).cite-ref-3[3]
Der Reinardus des lateinischen Mittelalters
Als erste literarische Fassung in epischer Länge, in welcher der Fuchs eine Rolle spielt, gilt die Ecbasis captivi, eine um 1040 entstandene Satire in lateinischer Sprache aus St. Evre bei Toul, in der von einem Gerichtstag des LÜwen mit Klagen gegen den Fuchs erzählt wird.cite-ref-4[4]
Einem unbekannten Autor aus Gent, vielleicht Nivardus, wird der Ysengrimus zugeschrieben, ein 1148 vollendetes Tierepos in lateinischer Sprache, in dem der Wolf Ysengrimus (in den Handschriften auch Isengrimus, Ysengrinus und Isengrinus) die Hauptrolle spielt und sich stetig mit seinem Gegner Reinardus, dem Fuchs, auseinandersetzen muss. Die beiden Tiere tragen hier erstmals die Namen, mit denen sie in allen späteren Texten identifiziert werden. Das Epos ist eine Satire auf den MÜnchsstand; Ysengrimus ist darin der MÜnch, sein Widersacher Reinardus der Laie. Das Werk, von dem auch eine gekßrzte Fassung aus dem 14. Jahrhundert, der Ysengrimus abbreviatus, ßberliefert ist, fand im 15. Jahrhundert kaum noch Beachtung; seine Anspielungen und seine Polemik waren unterdessen veraltet.
Der Reinhart in den Volkssprachen des Mittelalters
Die handschriftlichen Textßberlieferungen zeigen, dass sich Reinekes Geschichte ßber die Sammlungen einzelner Tiererzählungen und deren Verschmelzungen zunehmend in den verschiedenen Volkssprachen des europäischen Mittelalters zu einer die Sprachgrenzen ßberschreitenden literarischen Komposition verdichtete. Die im Jahre 1498 gedruckte niederdeutsche Fassung basierte auf niederländischen Versionen mit franzÜsischem Ursprung.
Roman de Renart
Zwischen 1170 und 1250 entstand im nÜrdlichen Frankreich der in der Volkssprache verfasste Roman de Renart: Der schlaue Fuchs Renart triumphiert in zahlreichen Episoden unter anderem ßber einen starken LÜwen (Noble) und einen dummen, gierigen Wolf (Ysengrin).cite-ref-5[5] Der Roman besteht aus sogenannten branches verschiedener Verfasser, deren Anzahl und Anordnung in den 20 ßberlieferten Handschriften und Fragmenten variieren und die zusammen etwa 25.000 Verse umfassen. Die Individualisierung der Tiere durch Eigennamen erscheint in den branches zunehmend ausgeprägt. Die Geschichten zeigen Merkmale der hÜfischen Welt, deren Vertreter und ihre Handlungen durch das Vermischen von menschlichen und tierischen Verhaltensweisen parodiert werden; Renart ist ein baron revoltÊ, der die Macht des KÜnigs der Tiere, des LÜwen Noble, ständig gefährdet. Die in der branche XI erzählte Geschichte wird als grundlegend angesehen fßr die Erweiterung des Stoffes im 13. Jahrhundert; sie handelt davon, wie Renart die LÜwin verfßhrt, während Noble sich auf einem Kreuzzug befindet.cite-ref-6[6]
Der romanische Sprachraum wies bereits im 12. und 13. Jahrhundert eine FĂźlle von Fuchsdichtungen auf und entwickelte daraus eine erfolgreiche eigene Tradition. So erschien um 1261 der Ăźber 8000 Verse umfassende Renart le bestournĂŠ von Rutebeuf, um 1270 der 3398 Verse lange Le couronnement de Renart, 1289 dann der Renart le nouvel von Jacquemart GielĂŠe mit einem Umfang von 8048 Versen, und in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts schlieĂlich der Renart le contrefait mit etwa 40.000 Versen.cite-ref-7[7]
Reinhart Fuchs
Heinrich (genannt der GleiĂner) aus dem Elsass dichtete Ende des 12. Jahrhunderts den mittelhochdeutschen Reinhart Fuchs.cite-ref-9[9] Einige Partien des Versepos verdeutlichen ihre Anlehnung an den Roman de Renart, dessen zyklisch-episodische Struktur hier jedoch in eine lineare, sich steigernde Handlung gefasst ist. Die Erzählung zeigt gesellschaftskritische ZĂźge und nimmt als warnende Satire auch ausdrĂźcklich Stellung gegen die Staufer. Heinrich liefert eine eigenwillige Pointe: der Fuchs vergiftet den LĂśwen am Schluss.cite-ref-10[10]
Das Werk stellt das einzige deutschsprachige Tierepos aus dieser Zeit dar, nachgewiesen in drei Handschriften des 13. und 14. Jahrhunderts. Bearbeitungen weiterer Verfasser erfuhr es nicht. In der FrĂźhzeit des Buchdrucks fand Reinhart Fuchs keine Verbreitung; wiederentdeckt wurde er im 19. Jahrhundert von Jacob Grimm.cite-ref-11[11]
Reynaerts Historie
Im 13. Jahrhundert verfasste ein Flame namens Willem eine mittelniederländische Version Van den vos Reynaerde, in dem ebenfalls die Spuren des Roman de Renart festzustellen sind. Willems Fassung erzählt vom Hoftag des LĂśwen, den Anklagen gegen den abwesenden Fuchs und davon, wie dieser die beiden Boten Bär und Kater betrĂźgt. Sie endet mit dem Todesurteil gegen den Fuchs und seiner Erfindung der LĂźgengeschichte, mit der er seinen Kopf aus der Schlinge zieht, sowie seinem Versprechen, nach Rom zu pilgern und seinem anschlieĂenden Verrat. Im Gegensatz zum eher belehrenden Reinhart Fuchs ist Willems Werk durch ungebremste Erzählfreude und eine Häufung schwankhafter Einfälle gekennzeichnet. WomĂśglich provoziert durch den offenen Schluss â der Rehabilitierung von Bär und Wolf nach Reinekes Hasenkopf-Verrat â erfuhr das Werk um 1375 eine Bearbeitung durch einen unbekannten Verfasser, der die Erzählung als Reynaerts Historie erheblich erweiterte und die Struktur des zweimaligen Gerichtsverfahrens aufbaute.cite-ref-12[12] Die beiden Versdichtungen werden heute als Reynaert I und Reynaert II gefĂźhrt.cite-ref-13[13] Die Fassung Willems wurde zur niederländischen Nationalliteratur; die Stadt Hulst, die in dem Epos erwähnt ist, hat dem Reynaerd ein Denkmal gesetzt.cite-ref-14[14]
Weitere Bearbeitungen
Der Reynaert II erfuhr in der Frßhzeit des Buchdrucks noch zweimal eine Bearbeitung, dabei eine in Prosa, gedruckt von Gerard Leeu in Gouda 1479 unter dem Titel Historie van reynaert die vos, die 1485 von Jacob Jacobsz van de Meer in Delft nachgedruckt wurde. Die andere, eine Fassung in Versen mit Prosakommentaren, erschien zwischen 1487 und 1490 in Antwerpen, wiederum gedruckt von Gerard Leeu, der unterdessen seine Offizin dorthin verlegt hatte. Diese Versfassung ist nur in sieben heilen Blättern erhalten.
Von den Niederlanden aus hielt Reynaert als Reynard auch Einzug in England und begrĂźndete dort eine eigene Texthistorie; RĂźckwirkungen auf die kontinentale Entwicklung des Stoffes sind nicht eindeutig nachgewiesen. 1481 druckte William Caxton The History of Reynard the Fox, eine englische Ăbersetzung der niederländischen Prosafassung der Goudaer Ausgabe von Geeraert Leeu.cite-ref-15[15]
Eine gedruckte LĂźbecker Ăbertragung des Reynaert II ins Niederdeutsche 1498 mit einem Reynke als Protagonisten Ăźberlieferte durch die Verbreitung ihrer Nachdrucke und Ăbersetzungen diese spätmittelalterliche niederländische Erzählung in ihrem Inhalt, ihrem Aufbau und mit ihrem Personal bis heute.
Der LĂźbecker Druck von 1498
Im Jahr 1498 gab Hans van Ghetelen in seiner Mohnkopfdruckerei in LĂźbeck das Werk Reynke de vos heraus, eine niederdeutsche Dichtung in 7791 knittelnden und in Paaren gereimten Versen, deren Kapitel in vier BĂźcher unterschiedlicher Länge eingeteilt und von denen zwei mit Prosavorreden versehen wurden. Den einzelnen Kapiteln waren Glossen in Prosa angefĂźgt, die dem Leser die Geschehnisse fĂźr seinen Alltag kommentierten und die heute als sogenannte âkatholische Glossenâ gefĂźhrt werden.cite-ref-16[16] Die Ausgabe war mit 89 Holzschnitten reich illustriert.
Die Geschichte Reynkes, dessen Name die niederdeutsche Verkleinerungsform des Reynaert oder Reinhart darstellt, spielt in Flandern, wie anhand einiger Verweise im Text, wie zum Beispiel auf die Stadt Gent, erkennbar ist; zudem meldete sich im Vorwort ein vom Namen her ebenfalls dem niederländischen Sprachraum zuzuordnender Hinrek von Alckmer als Vermittler und Bearbeiter der Geschichte. Sein Name als Verfasser ebenso wie die Angaben zu seiner Person sind lediglich aus diesem Druck ßberliefert und die Urheberschaft wurde bereits im 19. Jahrhundert bestritten; als Bearbeiter wurde auch ein namentlich unbekannter Lßbecker Ordensgeistlicher vermutet.cite-ref-17[17] Auf welcher Vorlage der Lßbecker Druck beruht, ist unbekannt. Es kann jedoch als gesichert gelten, dass die benutzte Vorlage letzten Endes wieder auf den Reynaert II zurßckgeht.
Der Druck ist nur in einer einzigen Inkunabel vollständig erhalten, die sich in der Herzog August Bibliothek in WolfenbĂźttel befindet.cite-ref-18[18] Gleichwohl begrĂźndete dieser Druck die weitere Ăberlieferung Reinekes im deutschsprachigen Raum in der Geschichte seiner Nachdrucke und deren Rezeption.
Von der Inkunabel zum Volksbuch
Ausgehend von dem LĂźbecker Druck von 1498 verbreitete sich die niederdeutsche Verserzählung von Reynke de vos im 16. Jahrhundert Ăźber weitere Druckorte; darĂźber hinaus erreichte sie durch ihre Ăbersetzung ins Lateinische auch internationalen Absatz. Ăber LĂźbeck gelangte die Geschichte insbesondere in den gesamten skandinavischen Sprachraum und wurde in Nordeuropa zum Volksbuch.
Die Ausgaben des 16. und 17. Jahrhunderts
Der LĂźbecker Reynke de vos wurde 1510 und 1517 in Rostock nachgedruckt. Der erste Nachdruck ist nicht erhalten; der zweite von 1517 enthielt nur noch 30 Holzschnitte und hatte einen deutlich geringeren Umfang an Blättern als die LĂźbecker Inkunabel. Der zeitliche Abstand zwischen den Auflagen war angesichts der AbsatzmĂśglichkeiten fĂźr Buchpublikationen in der Hansestadt relativ groĂ. Dies und der deutlich reduzierte Umfang des Ăźberlieferten Nachdrucks fĂźhrten in der neueren Forschung zu der Vermutung, dass die Geschichte zunächst keine bemerkenswerte Aufnahme durch das Publikum erfuhr.cite-ref-19[19]
Verbreitung des niederdeutschen Reyneke Vosz
Die eigentliche Erfolgsgeschichte des Reynke de vos begann 1539 mit einer von Ludwig Dietz wiederum in Rostock gedruckten Ausgabe mit dem Titel Reyneke Vosz de olde, die nunmehr mit erheblich erweiterten Kommentaren versehen worden war (der sogenannten âprotestantischen Glosseâ).cite-ref-20[20] Der niederdeutsche Reyneke Vosz erfuhr von 1549 bis 1610 noch elf weitere Auflagen in Rostock, Frankfurt am Main und Hamburg. Die Ausgaben unterschieden sich in Format und Ausstattung. So gab der Frankfurter Drucker Cyriacus Jacob 1550 einen kostspieligen Band im Quartformat heraus, der allerdings auf die Kapitelglossen verzichtete und deshalb mit 150 Blättern auskam. Ebenfalls in Frankfurt erschien bei Nikolaus BassĂŠe ein Reyneke-Druck als wohlfeiles Oktav; die Drucke des Hamburgers Paul Lange von 1604 und 1606 sowie ein später NachkĂśmmling des niederdeutschen Reynke, gedruckt 1660 bei Zacharias Dose in Hamburg, folgten diesem Format.cite-ref-21[21]
Hochdeutsche und lateinische Ausgaben
Noch vor der Rostocker Ausgabe von 1549 hatte Cyriacus Jacob im Jahre 1544 in Frankfurt einen Druck im Folioformat herausgegeben mit dem Titel Von Reinicken Fuchs, eine hochdeutsche Ăbertragung des Reyneke Vosz, die vermutlich von Michael Beuther verfasst worden war und in deren Folge Frankfurt zum wichtigsten Druckort fĂźr die Reineke-Tradition wurde; bis zum Beginn des DreiĂigjährigen Krieges erschienen hier 21 hochdeutsche, fĂźnf niederdeutsche und sieben lateinische Auflagen. Die erste Ăbertragung ins Lateinische hatte Hartmann Schopper besorgt nach der hochdeutschen Version. Sie erschien 1567 unter dem Titel Opus poeticum de admirabili fallacia et astutia vulpeculae Reinikes, eine Dichtung Ăźber die fĂźchsische Intrige und List des bemerkenswerten Reinike, bei Sigmund Feyerabend und Simon Huter in Frankfurt am Main und enthielt eine Widmung ad divum Maximilianum secundum, den gĂśttlichen Kaiser Maximilian II. Die Ausgabe wurde bis zum Jahre 1612 nachgedruckt. 1588 wurde eine lateinisch-hochdeutsche Bearbeitung Joseph Lautenbachs gedruckt unter dem Titel Technae aulicae/Weltlauff vnnd Hofleben.
Ăbersetzungen
Die lateinische Ausgabe Schoppers war seit ihrer zweiten Auflage von 1574/75 versehen mit dem Untertitel Speculum vitae aulicae, Spiegel des Hoflebens. Sie wurde im 17. Jahrhundert zum Anlass fĂźr Ăbersetzungen in verschiedene Landessprachen, wie zum Beispiel unter anderem ins Englische, wo Reineke in Konkurrenz ging zu einer seit der Ausgabe von Caxton im Jahre 1481 erfolgten eigenen Texttradition, und ins Spanische. Die Verbreitung Reinekes im skandinavischen Sprachraum war zunächst der niederdeutschen Rostocker Ausgabe des Reyneke Vosz von 1539 gefolgt; eine erste dänische Ăbersetzung war bereits 1555 in LĂźbeck erschienen. In Stockholm kam Reineke im Jahre 1621 auch auf Schwedisch heraus, bearbeitet nach einer in Hamburg 1604 gedruckten lateinischen Ausgabe; eine englische Ăbersetzung aus dem Jahre 1706 folgte ebenfalls dieser Hamburger Fassung.cite-ref-22[22]
VolksbĂźcher
Im Jahre 1650 erschien eine poetisch freie Bearbeitung der hochdeutschen Frankfurter Fassung, die Ende des Jahrhunderts in Prosa umgearbeitet wurde und mehrere Auflagen erfuhr.cite-ref-23[23] Auf der Barockfassung grĂźndeten Der listige Reineke Fuchs und Des durchtriebenen Reineke Fuchs Leben und Buben-StĂźcke, gedruckt in Hamburg von Thomas von Wiering zwischen 1690 und 1700. Reineke war zum Volksbuch geworden, zum Stoff fĂźr freie Gestaltungen, die hinreichende Aussichten auf kommerziellen Absatz versprachen und meist als âErstdruckeâ auf den Markt kamen.cite-ref-24[24]
Illustrationen
Die Inkunabel von 1498 enthielt 89 Holzschnitte, die fßr einige Ausgaben auch koloriert wurden. Die teure Aufmachung weist darauf hin, dass der Druck bei den wohlhabenden Lßbecker Ständen vertrieben werden sollte.cite-ref-25[25] Die Bilder zeigen das LÜwenpaar stets im Herrscherornat, die Tieruntertanen behalten indes ihre Natur, deren Eigenart der Gestalter in differenzierten Schnittschraffuren auszudrßcken versuchte; fßr seine Rolle als MÜnch wird dem Fuchs allerdings eine Kutte ßbergezogen. Eine besondere Form der Lßbecker Ausgabe stellen die sogenannten Dialogus-Holzschnitte dar, die als Zwischenspiel in Form eines das Geschehen glossierenden Gesprächs der Tiere das 2. Buch einleiten. Die Tierdarstellungen sind hier gestalterisch reduzierter angelegt als in den Illustrationen der Handlung und gewinnen durch ihren Zusammenhang mit dem Text emblematischen Charakter.
FĂźr die Rostocker Ausgabe von 1539 entwarf Erhard Altdorfer, Hofmaler in Schwerin, eine neue Serie von Holzschnitten, die in der Verfeinerung des Schnitts den Ausdruck der Figuren in ihrer Umgebung entfaltet und steigert. Die Serie illustrierte die weiteren Rostocker Nachdrucke des 16. Jahrhunderts. In anderen Druckorten wurde sie kopiert und nachgeschnitten; die Abbildungen erschienen seitenverkehrt und in den Details gestalterisch deutlich variiert.cite-ref-26[26] Die niederdeutschen und lateinischen Ausgaben, die seit Ende des 16. Jahrhunderts im nunmehr vorherrschenden Oktavformat erschienen, erhielten neue, kleinformatige Holzschnitte; diese Serie tauchte bis zu Zachariasâ Hamburger Ausgabe 1660 in den Drucken auf.
Kommentare
In der langen Geschichte seiner Drucke wurde Reineke von Glossen begleitet, die einen deutlichen Wandel in den Absichten der jeweiligen Bearbeiter, den stets nahezu unveränderten Text in seiner Lesart fßr das Publikum aufzubereiten, dokumentieren.
Der katholische Glossator der Ausgabe von 1498 wendet sich erkennbar an ein städtisches Publikum. Er ist bemßht, dem Leser einen Sßndenspiegel vorzuhalten, indem er die Geschichte im Sinne einer Fabel und ihrer Auslegung darbringt und den Fuchs als figura diaboli herausarbeitet. Zwar ßbt er auch Kritik an der Kirche, gleichwohl warnt er davor, als Laie einem Geistlichen Schlechtes nachzusagen. Die Kommentare unterstßtzen die Vermutung, dass der Bearbeiter der Lßbecker Fassung ein Geistlicher aus den Ordenskreisen der Stadt gewesen sei.cite-ref-27[27]
Die protestantischen Glossen des Rostocker Drucks von 1539 äuĂern eine deutlich veränderte Sicht; sie nehmen Kirche, Papsttum, monastisches Leben und kirchliches Recht grundsätzlich ins Visier. Der Bearbeiter kritisiert zum Beispiel nicht nur das unnĂźtze Leben der Nonnen (1. Buch, 18. Kapitel), sondern geiĂelt auch das Ablasswesen, die Wallfahrten sowie das kirchliche Bannverfahren (1. Buch, 29. Kapitel) und unterstreicht damit seinen reformatorischen Standpunkt. Desgleichen wendet er sich in der Grundsätzlichkeit seiner Kommentare gegen Missstände seiner Zeit, wie zum Beispiel gegen die Praxis, sich durch âgeschenckeâ oder âvan Ăźbler artâ Positionen bei Hofe zu erschleichen (1. Buch). âAls solche, als Kritik an der alten Kirche und den sozialen Verhältnissen, entfaltete die Dichtung ihre volle Wirkung und gewann die Gunst des Publikums.âcite-ref-28[28]
Die 1544 von Cyriacus Jacob in Frankfurt herausgegebene hochdeutsche Fassung zeigt eine weitere Tendenz, die Dichtung von Reineke zu beleuchten. Bereits im Titel (Ander Teyl Des Buchs Schimpff un[d] Ernst [...]) verweist diese Ausgabe auf ein weiteres beliebtes Buch der Zeit: Schimpf und Ernst von Johannes Pauli. Der hochdeutsche Bearbeiter teilt in seiner âVorrede an den Leserâ mit, dass er sich mit seinen Vorgängern auseinanderzusetzen gedenke, deren Kommentare zu kĂźrzen vorhabe und Ăźberdies anonym bleiben wolle. Seine Anmerkungen zeigen literarische Ambitionen, indem er zum Beispiel gelegentlich statt eines Kommentars ein Gedicht beisteuert und damit die bereits im Titel angedeutete MĂśglichkeit erschlieĂt, durch die Manier der Anspielung dem Leser anheimzustellen, sich durch seine Kritik angesprochen zu fĂźhlen oder nicht.cite-ref-29[29]
Auch wenn die Kommentare in ihrer Tradition, allein von ihrem Umfang her, den Text eher zuzudecken als zu erschlieĂen scheinen,cite-ref-30[30] verdeutlichen sie die besondere Eignung der Erzählung fĂźr Auseinandersetzungen sowohl mit gesellschaftlichen Wirklichkeiten als auch mit einem jeweiligen Gegner; der auĂerordentliche Erfolg der Geschichte von Reineke seit dem 16. Jahrhundert wird deshalb insbesondere ihren Glossen zugeschrieben.cite-ref-31[31]
Vom Volksbuch zum Heldenepos
Im Jahre 1711 gab Friedrich August Hackmann das Epos in der Fassung des LĂźbecker Drucks von 1498 in WolfenbĂźttel neu heraus mit dem Titel Reineke de Vos mit dem Koker in der Absicht, dem barocken Ton der Bearbeitungen des 17. Jahrhunderts die ursprĂźngliche Fassung entgegenzustellen; das Titelkupfer zeigte einen Fuchs mit KĂścher und Pfeil vor KĂśnig Nobel. Hackmann hatte bereits 1709 in Helmstedt als Professor Vorlesungen gehalten Ăźber den Reineke Vosz, wobei er sich unbotmäĂige ĂuĂerungen gegen Standespersonen erlaubt und die Religion verspottet hatte, was ihm infolge ein Vorlesungsverbot und das Consilium abeundi, den Rat, wegzugehen, einbrachte: er wurde der Stadt verwiesen.cite-ref-32[32] Vierzig Jahre später wurde die Ausgabe Hackmanns zur Vorlage fĂźr die ProsaĂźbertragung Johann Christoph Gottscheds.
Gottscheds Reineke der Fuchs
Johann Christoph Gottsched (1700â1766), Gelehrter und eine der einflussreichsten PersĂśnlichkeiten des literarischen Lebens im 18. Jahrhundert, war auch ein Kenner der altdeutschen Literatur. Im Jahre 1752 verĂśffentlichte er eine Prosafassung des Tierepos unter dem Titel Reineke der Fuchs bei Breitkopf in Leipzig und Amsterdam. Als Vorlage diente ihm neben Hackmanns Ausgabe auch die Frankfurter VersĂźbertragung ins Neuhochdeutsche von 1544.
Gottsched behielt die Einteilung in vier BĂźcher bei, hob âHeinrich von Alkmarâ im Titel prominent hervor und gab die niederdeutsche Fassung von 1498 in den Anhang, allerdings ohne deren Kommentare. Seiner Prosafassung vorangestellt sind die Vorreden Hinreks von Alkmer von 1498 und die eines Nikolaus Baumann aus der Rostocker Ausgabe von 1549; den Kapiteln im Einzelnen sind die âAlkmarischenâ und die âBaumannischen Anmerkungenâ angefĂźgt. In einer eigenen Einleitung lieferte Gottsched zudem eine âhistorisch-kritische Betrachtungâ, in der er anhand einer Quellensammlung âVon dem wahren Alter dieses Gedichtsâ (II. Abschnitt) berichtete und darĂźber hinaus auch die bisherigen âAusgaben und Ăbersetzungenâ bibliographisch erfasste (IV. Abschnitt). In Abgrenzung zu den bereits vorliegenden Prosafassungen, die er weder fĂźr textgetreu noch âheute zu Tage [âŚ] Ăźberall ohne Ekel und Widerwillen zu lesenâ befand, sei sein Ansinnen, Reineke âaus den Händen des PĂśbelsâ zu reiĂen und ihn âwiederum in die Hände der vornehmen, klugen und witzigen Weltâ zu legen.cite-ref-33[33]
Die Ausgabe war mit 57 Radierungen des niederländischen Malers und Grafikers Allart van Everdingen illustriert. Sie zeigen die Tiere in ihrer natĂźrlichen Umgebung der Landschaft und der dazugehĂśrigen menschlichen Behausungen, allerdings ohne ihnen menschliche Insignien anzuheften; ihre Stellung im MachtgefĂźge der erzählten Geschichte werden ausschlieĂlich durch Ausdruck und Bewegung der Tiere verdeutlicht. Ăhnlich den Holzschnittserien des 15. und 16. Jahrhunderts trägt der Fuchs lediglich bei seinem Auftritt als MĂśnch eine Kutte.cite-ref-34[34]
Goethes Reineke Fuchs
Im Januar 1793 begann Johann Wolfgang von Goethe (1749â1832) mit einer Bearbeitung des Reineke Fuchs in Versen, die er im April abschloss. Ende desselben Jahres ging das Werk in Druck und erschien im FrĂźhjahr 1794 als 2. Band der Neuen Schriften bei Joh. Friedr. Unger in Berlin. Es besteht aus 4312 Versen in Hexametern, eingeteilt in zwĂślf Gesänge, und enthält keinen Kommentar.
Vorlage fĂźr das Tierepos war die Prosafassung Gottscheds von 1752, die Goethe seit seiner Kindheit kannte.cite-ref-35[35] Goethe besaĂ auĂerdem 56 Radierungen aus der Reineke-Fuchs-Serie Allart van Everdingens, die er 1783 auf einer Auktion erworben hatte.cite-ref-36[36] Die Korrespondenz Goethes mit dem Breitkopf-Verlag im Jahre 1782 bezĂźglich der Druckplatten Allart van Everdingens lässt die Vermutung zu, dass Goethe bei der Abfassung seines Reineke Fuchs auch die Delfter Ausgabe der Historie van reinaert die vos von 1485 kannte.cite-ref-37[37]
Goethe hielt sich, abgesehen von der sprachlichen Gestalt und der neuen Einteilung, eng an die Vorlage. Die Hexameter verfasste er, wie er selbst sagte, ânach dem GehĂśrâ.cite-ref-38[38] Die antike Form des Langverses der homerischen Heldenepen hatte in deutscher Sprache insbesondere durch Klopstocks Messias (seit 1748), aber auch durch die aktuellen Homer-Ăbersetzungen von Stolberg (1778) und VoĂ (1781) Beachtung gefunden, galt indes als Ausdrucksform ernster oder feierlicher Themen. Goethes Verwendung hatte jedoch einen spielerischen Charakter, da er die Verse nicht auszählte und die Zäsuren zugunsten der Treffsicherheit des Ausdrucks frei gestaltete. Die Lässigkeit dieses Stils nimmt der Geschichte, die Goethe als âunheilige Weltbibelâ bezeichnete, alles Lehrhafte und Allegorische.cite-ref-39[39]
Der Reineke-Zyklus Wilhelm von Kaulbachs
Der Verleger Johann Georg Freiherr Cotta von Cottendorf (1796â1863), dessen Haus, die Cottaâsche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, zum bedeutendsten Verlag der Klassiker geworden war und unter anderem auch seit 1806 die Werke Goethes publizierte, hatte begonnen, eine Reihe groĂformatig aufgemachter Einzeleditionen herauszugeben, an denen der MĂźnchner KĂźnstler Wilhelm von Kaulbach (1804â1874) mitarbeitete. 1840 schloss Cotta mit dem KĂźnstler einen Vertrag, die Illustrationen fĂźr eine Neuausgabe von Goethes Reineke Fuchs zu gestalten. Kaulbach, mit eigenen Monumentalgemälden im Atelier langfristig beschäftigt, arbeitete drei Jahre abends an dem verhältnismäĂig hoch dotierten Auftrag und lieferte 36 Hauptbilder und zahlreiche Vignetten ab. Die Zeichnungen wurden von Hans Rudolf Rahn in ZĂźrich und dem MĂźnchner Adrian Schleich in Kupfer gestochen; 1846 erschien das Buch im Folioformat, eingebunden in rotem oder blauen Leder mit in Gold eingefärbten Blindprägungen.
Kaulbach hatte in den drei Jahren zunehmend seine Zeichnungen zum Reineke auch als Vehikel seiner persĂśnlichen Auseinandersetzung mit den Entwicklungen seiner Zeit entdeckt; in allerlei Anspielungen der zeitgenĂśssischen Staffage der Figuren oder der Details am Rande verspottete er neureiches Gebaren, nahm gelegentlich auch einen Politiker aufs Korn oder machte sich Ăźber den ihm tĂśricht erscheinenden Zeitgeist des Biedermeierlichen lustig; so zeigt eine Tafel an Reinekes Burg Malepartus eine nur in der unteren Hälfte sichtbare, mit einem antikisierenden RĂśckchen ausgestattete, hĂźpfende Figur, die ein brennendes Häuschen mit einer Wasserkanne begieĂt; darunter die Inschrift: âHeiliger Florian / beschĂźtz dies Haus / zĂźnd andere anâ. KĂśnig Nobel trägt schon mal in einer häuslichen Schlafzimmerszene den Schwanz durchs Knopfloch gezogen.cite-ref-40[40]
FĂźr Wilhelm von Kaulbach wurde die Cottaâsche Edition zum nachhaltigen Erfolg; das Buch kam 1865 erneut auf den Markt. FĂźr den Verleger indes erwies sich eine 1857 aufgelegte kleinere Ausgabe als Goldgrube; sie erfuhr mehrere, allerdings nicht mehr datierte Auflagen. Kaulbachs Zeichnungen waren darin in einem im 19. Jahrhundert fĂźr die Massenproduktion entwickelten Holzdruckverfahren erschienen; sie verstärkten Reinekes Popularität und verschafften auch dem Epos, das von den Goethe-Exegeten als uneigenständiges Werk des Meisters angesehen und deshalb weniger gewĂźrdigt worden war, nachhaltige Aufmerksamkeit.cite-ref-41[41]
Reineke als Baron revoltĂŠ
Cotta war die Arbeit Kaulbachs bei der gelegentlichen Einsicht in deren Fortschritt nicht ganz geheuer gewesen; er war auch Verleger einer weit verbreiteten Allgemeinen Zeitung und fĂźrchtete deren Verbot durch den bayerischen Minister Karl von Abel. Der KĂźnstler quittierte diese Sorge mit einer Schlussvignette, die den Greifen des Verlagshauses als von Motten umwehte Gouvernante zeigt. In der RĂźckschau erscheint Cottas BefĂźrchtung nicht unberechtigt. Im selben Jahr wie der Kaulbach-Reineke erschien 1846 ein Neuer Reineke Fuchs des Berliner Autors Adolf GlaĂbrenner; das Werk entging nur knapp der Zensur und gilt heute als eine bedeutende Gesellschaftssatire des Vormärz.cite-ref-42[42]
Die Spur Reinekes als der baron revoltĂŠ, der aufständische Adlige, den einst der altfranzĂśsische Renart verkĂśrpert hatte, war von deutschsprachigen Schriftstellern bereits am Ende des 18. Jahrhunderts in eigenen, freien Bearbeitungen aufgenommen worden, beflĂźgelt durch die FranzĂśsische Revolution und durch Goethes VersĂźbertragung. Von einem ungenannten Verfasser stammte ein Reineke Fuchs am Ende des philosophischen Jahrhunderts, angeblich erschienen 1797 in Itzehoe. Tatsächlich war dieses Werk aber aus Altona und schilderte den dänischen KĂśnig Christian VII. als kakaotrinkenden Trottel.cite-ref-43[43] Im Jahre 1844 erschien Der neue Reineke Fuchs in acht philosophischen Fabeln, eine Satire auf die Philosophie Schellings; 1871 musste Reineke Sturm laufen in Bezug auf die Kriegsereignisse von 1870/71.cite-ref-44[44] Im Jahre 1872 verĂśffentlichte der luxemburgische Schriftsteller Michel Rodange anonym seine Fassung der Goetheâschen Version des Reineke als Renert oder de Fuuss am Frack an a MaansgrĂŠiss. Darin benutzte er regionale Dialekte und nahm Bezug auf die aktuellen Verhältnisse.cite-ref-45[45]
Vom Heldenepos zum Kinderbuch
Die romantische Mittelalter-Rezeption in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte Wiederauflagen des Volksbuchs mit der Geschichte Reinekes hervor, so zum Beispiel die Ausgabe von Karl Simrock im ersten Band seiner deutschen VolksbĂźcher von 1845.cite-ref-46[46] Eine 1803 verfasste Nachdichtung in romantisch anmutenden Knittelversen von Dietrich Wilhelm Soltau erfuhr mehrere Auflagen bis 1830. Mit der Massenproduktion von BĂźchern seit den 1840er Jahren erschienen â neben den Ăźberwiegend von der Wissenschaft beachteten Editionen von Fragmenten und bisher unbekannten Textzeugen â auch zunehmend fĂźr ein breites Publikum aufgemachte und zum Teil gekĂźrzte Ausgaben auf dem Markt; auf die Glossen wurde durchweg verzichtet, so dass diese heute weitgehend aus dem Bewusstsein der allgemeinen Leserschaft verschwunden sind. Im ausgehenden 19. Jahrhundert hatte das Motiv in Variationen in nahezu alle europäischen Landessprachen und in zahlreiche Dialekte Eingang gefunden.cite-ref-47[47]
Im 20. Jahrhundert fand Reineke nicht nur erneut KĂźnstler, wie zum Beispiel A. Paul Weber und Josef Hegenbarth, die seine Geschichte illustrierten,cite-ref-48[48] sondern auch Eingang zur nunmehr internationalen BĂźhne. Aus dem Jahre 1915 stammt die Oper Le Renard von Igor Strawinsky. Seit den 1960er Jahren eroberte Reineke die SprechbĂźhne, Ăźberwiegend in Adaptionen der Goetheâschen Fassung. Eine der erfolgreichsten Inszenierungen des Reineke Fuchs war die von Michael Bogdanov am Hamburger Schauspielhaus, die ab 1987 mehrere Jahre im Spielplan blieb. Eine 1820 gekĂźrzte und gesäuberte Bearbeitung von Friedrich Rassmann hatte den Weg zum Kinderbuch geebnet,cite-ref-49[49] das seit Mitte des 19. Jahrhunderts zum Programm der Verlage gehĂśrte. Die alte Geschichte wurde nun zunehmend auch fĂźr den jungen Leser eingerichtet, durchweg zu dessen Belehrung;cite-ref-50[50] die Episoden des Ăźberlieferten Epos und seiner Volksbuchfassung erschienen zuweilen als einzelne Fabeln. Reineke diente infolge nicht nur der Erziehung, sondern wurde fĂźr die Kinder auch propagandistisch aufbereitet; so kam zwischen 1937 und 1941 in den Niederlanden mit der Ausgabe Van de vos Reynaerde von Robert van Genechten ein antisemitisches Kinderbuch heraus, das 1943 mit Geldern der Nationalsozialisten verfilmt wurde.cite-ref-51[51] Im Jahre 1961 verfasste Franz FĂźhmann einen Reineke Fuchs fĂźr junge Leser in Prosa nach einer Ausgabe der Ăbertragung aus dem Niederdeutschen von Karl Simrock (1852) und einer niederdeutschen Fassung. In einem 20 Jahre später verĂśffentlichten Kommentar, Grausames vom Reineke Fuchs, beklagte er, aus âPrĂźderieâ das Original an einigen Stellen verfälscht zu haben.cite-ref-52[52] Eine andere Ausgabe der Geschichte fĂźr Kinder, bearbeitet und illustriert von Janosch, fand seit 1962 ihr Publikum.
Fßr den gymnasialen Unterricht war bereits 1890 eine Ausgabe auf Lateinisch erschienen.cite-ref-53[53] In den Formen des Kinderbuchs kam Reineke auch in die Lesebßcher, allerdings meist nur in Auszßgen der alten Geschichte.cite-ref-54[54] Deutschbßcher der jßngeren Zeit beschränkten Reineke unter dem Stichwort Fabel oft nur auf einzelne Motive, wie zum Beispiel das bereits im Roman de Renart erzählte sogenannte Brunnenabenteuer: der Fuchs befreit sich aus einem Brunnen, indem er den Wolf in denselben lockt und dort im Eimer hängen lässt.cite-ref-55[55]
Forschungsgeschichte
FĂźr die Werkinterpretation sind seit dem 19. Jahrhundert insbesondere zwei Aspekte der philologischen Erforschung des Reineke Fuchs wichtig gewesen: das Problem der jeweiligen Vorlagen und die Verfasserfrage.cite-ref-56[56]
Gottsched hatte bereits 1752 im Vorwort seiner Prosaausgabe Reineke der Fuchs die wesentlichen Spuren der ihm vorliegenden Fassungen in der Tradition der Handschriften und Drucke aufgezeigt. 1834 verĂśffentlichte Jacob Grimm eine Edition von Heinrichs Reinhart Fuchs zusammen mit anderen mittelhochdeutschen und lateinischen Tiererzählungen, darunter auch das Fragment einer sich in Den Haag befindenden Handschrift des Reynaert II, das der Niederländer H. van Wijn (1740â1831), ein Reichsarchivar, im Jahre 1780 in einem RĂźckdeckel entdeckt hatte. Grimm vermutete den im Reynke de Vos genannten Hinrek van Alckmer als den Bearbeiter der niederländischen Vorlage.cite-ref-57[57]
Seine Auffassung wurde unterstĂźtzt durch eine Entdeckung von Friedrich Culemann (1811â1886), Senator fĂźr Schulwesen in Hannover, ein Sammler bibliophiler Kostbarkeiten und der Vermittler des Evangeliars Heinrichs des LĂśwen aus Prag an den Welfen Georg V. von Hannover im Jahre 1861.cite-ref-58[58] Culemann hatte sieben Blätter eines Drucks erworben, die eine mittelniederländische Versfassung des Reynaert enthielten; sie befinden sich heute in Cambridge.cite-ref-59[59] Die Fragmente konnten mit dem Drucker der Antwerpener Prosafassung, Geeraert Leeu, identifiziert werden und bildeten das fehlende ZwischenstĂźck zur LĂźbecker Inkunabel von 1498; im Jahre 1862 lieĂ August Heinrich Hoffmann von Fallersleben die bis dahin nahezu unbekannten Culemannschen BruchstĂźcke nachdrucken.cite-ref-60[60] In der neueren Forschung der 1980er Jahre ergaben sich indes Zweifel an der Identität der BruchstĂźcke mit dem Werk Hinreks von Alkmer, wie es im LĂźbecker Reynke-Druck beschrieben ist.cite-ref-61[61]
Die Erforschung des Verhältnisses des LĂźbecker Reynke de Vos zu den niederländischen Vorlagen war zunächst von dem Fortschreiten der Textkenntnis bestimmt gewesen. Bereits 1783 hatte Ludwig Suhl, LĂźbecker Stadtbibliothekar und Subrektor des dortigen Gymnasiums, die Delfter Prosainkunabel von 1485 herausgegeben, die wahrscheinlich neben der Gottschedâschen Prosafassung Goethe bei der Bearbeitung seines Reineke Fuchs vorgelegen hat.cite-ref-62[62] 1852 gab Hoffmann von Fallersleben den Reineke Vos. Nach der LĂźbecker Ausgabe vom Jahre 1498 in Breslau heraus. Eine erste Zusammenfassung des Kenntnisstands erfolgte 1880.cite-ref-63[63]
Im 20. Jahrhundert wurden soziologische Fragestellungen und die der Wirkungsgeschichte bedeutsam sowohl fßr die Verfasserfrage als auch fßr die Erforschung der Vorlagen; beide Aspekte werden unterdessen als grundlegend angesehen fßr philologische Themen, wie zum Beispiel die Stellenexplikation, die Namensgebung der Figuren oder auch die Ikonographie und die rechtshistorische Problematik in der Geschichte von Reineke.cite-ref-64[64] Seit dem Jahre 1992 liegt eine Bibliographie der Reineke-Drucke bis 1800 vor, besorgt von Hubertus Menke. Auf der Grundlage der Vorlagenhistorie wurde seit den 1990er Jahren, insbesondere auch von Klaus Dßwel, anhand der Traditionslinien des Stoffes dessen europäische Rezeptionsgeschichte zunehmend erforscht.
Ausgaben (Auswahl)
⢠Johann Heinrich Ramberg (Zeichner), Dietrich Wilhelm Soltau (Autor), Waltraud Maierhofer (Hrsg.): Reineke Fuchs â Reynard the Fox. / 31 Originalzeichnungen und neu kolorierte Radierungen mit AuszĂźgen aus der deutschen Ăbersetzung des Epos im populären Stil von Soltau | 31 original drawings and newly colored etchings with excerpts from the English translation of the burlesque poem by Soltau. VDG Weimar, Weimar 2016, ISBN 978-3-89739-854-2.
⢠Reynaerts historie, Reineke Fuchs (Ausgabe Mittelniederländisch/Hochdeutsch). Hrsg. von R. Schlusemann und P. Wackers. Mßnster 2005, ISBN 3-89688-256-2.
⢠The Cambridge Reinaert Fragments. Hrsg. von Karl Breul. Cambridge University Press 2010 (Neudruck der Erstausgabe von 1927). Mit Faksimiles der Fragmente und Transkription (online)
⢠Reynke de vos, Lßbeck 1498. Faksimile, Hamburg 1976 (Herzog August Bibliothek, Wolfenbßttel; Microfiche Signatur: A: 32.14 Poet.)
⢠Reynke de Vos. Hrsg. von Hartmut Kokott. Mßnchen 1981, ISBN 3-7705-1944-2.
⢠Von Reinicken Fuchs. Heidelberg, 1981 (Faksimile der Ausgabe Frankfurt 1544; mit einer Einfßhrung von Hubertus Menke)
⢠Reineke der Fuchs. Johann Christoph Gottsched, Ausgewählte Werke. Hrsg. von Joachim und Brigitte Birke in 12 Bänden (1965â1995; Neudruck 2005). Band 4; Berlin / New York 1968, ISBN 3-11-018695-0.
⢠Reineke Fuchs. Goethes Werke, Band II: Gedichte und Epen II. MĂźnchen 1981 (nach der Hamburger Ausgabe von 1949â1967), ISBN 3-406-08482-6.
⢠Reineke Fuchs. Von D. W. Soltau. Berlin 1803. (Google Books)
⢠Reineke Fuchs. In 30 Blattern gezeichnet und radirt von Johann Heinrich Ramberg. Hannover 1826.
⢠Reineke der Fuchs. Fßr die gebildete Jugend bearbeitet. 2., mit 12 neuen Kupfern verschÜnerte Aufl. Leipzig o. J. [1838].
⢠Johann Wolfgang Goethe: Reineke Fuchs in zwÜlf Gesängen. Mit den Illustrationen von Wilhelm Kaulbach. Verlag der Nation Berlin, 1982.
⢠Johann Wolfgang von Goethe: Reineke Fuchs. Nach der Ausgabe von 1867. Mit einem Nachwort von Walter Scherf und 36 Stahlstichen von Wilhelm von Kaulbach. Harenberg, Dortmund (= Die bibliophilen Taschenbßcher. Band 49).
⢠Karl ReiĂenberger (Hrsg.): Reinhart Fuchs (= Altdeutsche Textbibliothek. Band 7). Halle 1886.
Literatur
⢠Amand Berteloot, Loek Geeraedts (Hrsg.): Reynke de Vos â LĂźbeck 1498. Zur Geschichte und Rezeption eines deutsch-niederländischen Bestsellers (= Niederlande-Studien, Kleinere Schriften. Band 5). Lit, MĂźnster 1998, ISBN 3-8258-3891-9.
⢠Klaus DĂźwel: Heinrich, Verfasser des âReinhart Fuchsâ. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon (VL). Bd. 3. Berlin/New York 1981, Sp. 666â677.
⢠Klaus DĂźwel: Reineke Fuchs. In: Enzyklopädie des Märchens. Bd. 11. Berlin/New York 2004, Sp. 488â502.
⢠Klaus DĂźwel: Tierepik. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 3. Berlin/New York 2003, S. 639â641.
⢠Elisabeth Frenzel: Reineke Fuchs. In: dieselbe: Stoffe der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte (= KrĂśners Taschenausgabe. Band 300). 2., Ăźberarbeitete Auflage. KrĂśner, Stuttgart 1963, DNB 451357418, S. 536â538.
⢠Jan Goossens, Timothy Sodmann (Hrsg.): Reynaert Reynard Reynke. Studien zu einem mittelalterlichen Tierepos (= Niederdeutsche Studien. Schriftenreihe der Kommission fßr Mundart- und Namenforschung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Band 27). BÜhlau Verlag, KÜln/Wien 1980 (PDF).
⢠Jan Goossens: Reynke de Vos. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon (VL). Bd. 8. Berlin/New York 1992, Sp. 12â20.
⢠Jan Goossens: Reynke, Reynaert und das europäische Tierepos. Gesammelte Aufsätze (= Niederlande-Studien. Band 20). Mßnster/New York/Mßnchen/Berlin 1998.
⢠Hans Robert JauĂ: Untersuchungen zur mittelalterlichen Tierdichtung. TĂźbingen 1959.
⢠Fritz Peter Knapp: Renart. In: Lexikon des Mittelalters (LMA). Bd. 7. MĂźnchen 1995, Sp. 720â724.
⢠Harald Maihold: âHab ich Strafe verdient, weil jene tĂśricht gehandelt?â â Rechtliche Aspekte in Goethes âReineke Fuchsâ. In: ius.full â Forum fĂźr juristische Bildung. 2007, S. 105â113.
⢠Jill Mann: Nivardus von Gent. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon (VL). Bd. 6. Berlin/New York 1987, Sp. 1170â1178.
⢠Hubertus Menke: Bibliotheca Reinardiana. Teil I: Die europäischen Reineke-Fuchs-Drucke bis zum Jahre 1800. Stuttgart 1992, ISBN 3-7762-0341-2.
⢠Hubertus Menke, Ulrich Weber (Hrsg.): Die unheilige Weltbibel: der LĂźbecker Reynke de Vos (1498â1998). Ausstellung der Abteilung fĂźr Niederdeutsche Sprache und Literatur der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Zusammenarbeit mit der Bibliothek der Hansestadt LĂźbeck und der Herzog August Bibliothek WolfenbĂźttel. Abteilung fĂźr Niederdeutsche Sprache und Literatur der Christian-Albrechts-Universität, Kiel 1998.
⢠Walter Scherf: Johann Wolfgang von Goethe. Reineke Fuchs. Nachdruck der Ausgabe Stuttgart 1867, mit den Illustrationen Wilhelm von Kaulbachs. Dortmund 1978, S. 259â277 (Nachwort).
⢠Erich Trunz: Reineke Fuchs. In: Goethes Werke (GW). Band II: Gedichte und Epen. MĂźnchen 2005, S. 717â733 (Nachwort und Anmerkungen).
⢠Paul WeĂels: Ein âHaupt- und Heldenbuch in plattdeutscher Spracheâ â Karl Tannen und seine Bearbeitung des âReineke VoĂâ, Bremen 1861. Bei: Blog fĂźr ost-friesische Geschichte (hypotheses.org) (abgerufen am 14. September 2021).
⢠Beatrix ZumbĂźlt: Die europäischen Illustrationen des âReineke Fuchsâ bis zum 16. Jahrhundert. Wissenschaftliche Schriften der WWU MĂźnster; Reihe X, Bd. 8. Zwei Bände (Text- und Katalogband). MĂźnster 2011 (beide Bände als PDF abrufbar).
Weblinks
Commons
: Reineke Fuchs
â Album mit Bildern
Commons
: Reineke Fuchs
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons
: Reineke Fuchs von Fedor Flinzer
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Reineke Fuchs
â Quellen und Volltexte
Reineke Fuchs in Bibliothekskatalogen
⢠Suche nach Reineke Fuchs. In: Deutsche Digitale Bibliothek
⢠Suche nach Reinecke Fuchs im Gemeinsamen Verbundkatalog
⢠Suche nach Reineke Fuchs im Online-Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin â PreuĂischer Kulturbesitz
Textausgaben und Scans
⢠Ecbasis captivi (lateinisch) auf der Website von Ulrich Harsch (Bibliotheca Augustana), 2006: Introductio (Memento vom 11. Juli 2019 im Internet Archive) â Ecbasis (Memento vom 14. März 2019 im Internet Archive) â Fontes (Memento vom 19. Januar 2022 im Internet Archive)
⢠Reinhart Fuchs â Handschrift der Universitätsbibliothek Heidelberg: Cod. pal. germ 341 (Digitalisat); fol. 167v â 181v
⢠Reynaert I â Textausgabe des Institut voor Nederlandse Lexikologie (ed.: J. Jannsens, R. van Daele, V. Uyttersprot)
⢠Reynaert II (Reinaerts Historie) â Textausgabe des Institut voor Nederlandse Lexikologie (ed.: W. Gs. Hellinga)
⢠William Caxton: The History of Reynard the Fox (1481); pdf â engl. spätmittelalterliche Fassung des Reineke-Stoffes, nach der Ausgabe von Henry Morley 1889 (392 kB)
⢠Reynke de Vos (Memento vom 25. April 2006 im Internet Archive) â Karl von Ossietzky Universität Oldenburg: Transkription der LĂźbecker Ausgabe von 1498 mit deren Holzschnitten, auf den Seiten sind S/W-Scans der Inkunabel verlinkt; im Anhang (Memento vom 7. Juli 2009 im Internet Archive): Aus der âjĂźngeren Glosseâ zu âReinke dem Fuchsâ (nach dem Rostocker Druck von 1539); Digitalisat der Berliner Fragmente; Volltext (PDF), Repositorium der Uni MĂźnster, via HAB WolfenbĂźttel
⢠Reynke de vos, Fragmente der LĂźbecker Ausgabe von 1498. Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin unter dem Titel âReynaert die vosâ
⢠Johann Christoph Gottsched: Reineke der Fuchs (1752) â Abdruck ohne Glossen in Quellenschriften zur neuen deutschen Literatur, hrsg. von Alex Bieling, 1886 (ab S. 8); Scan bei: austrian literature online (alo)
⢠Heinrichs von Alkmar Reineke der Fuchs, mit schĂśnen Kupfern; Nach der Ausgabe von 1498 ins Hochdeutsche Ăźbersetzet, und mit einer Abhandlung, von dem Urheber, wahren Alter und groĂen Werthe diese Gedichtes versehen, von Johann Christoph Gottscheden. Leipzig und Amsterdam, / Verlegts Peter Schenk, 1752
⢠Reineke Fuchs von J. W. von Goethe, 1793/94
⢠Reineke Vos. Nach der LĂźbecker Ausgabe vom Jahre 1498 â hrsg. von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Breslau 1852 (Digitalisat der Digitalen Bibliothek Braunschweig)
⢠Das niederländische Volksbuch Reynaert de Vos, nach der Antwerpener Ausgabe von 1564 â hrsg. von Ernst Martin, Paderborn 1876 (Digitalisat der Cornell University Library), Archivlink
Bibliographie:
⢠Auswahlbibliographie Tierepos, Schwerpunkt Reineke-Vorläufer (Universität Trier)
Weiteres zum Thema:
⢠Der Fuchs in mittelalterlichen Bestiarien (engl.) â mit mittelalterlichen Vorstellungen Ăźber den Fuchs, Symbolgehalt/allegorischer Bedeutung, Auswahl an Illustrationen, Bibliographie und Bestiarien-Handschriften
⢠Tiere in mittelalterlichen Illuminationen (frz.) â Website einer Bestiarien-Ausstellung der Bibliothèque nationale de France (BNF); u. a. mit einem Link zum Roman de Renart: EinfĂźhrung (Audioversion, frz.) in das Werk und Scans einiger Seiten
⢠Die Illustrationen Wilhelm von Kaulbachs (1846)
Einzelnachweise
cite-note-11. â Zur ausfĂźhrlichen Inhaltsangabe siehe Reynke de vos.
cite-note-22. â Vgl. dazu u. a.: Hans Robert JauĂ: Untersuchungen zur mittelalterlichen Tierdichtung. TĂźbingen 1959; Peter Schneider: Das unheilige Reich des Reineke Fuchs. Frankfurt am Main 1990
cite-note-44. â Ecbasis cuiusdam captivi per tropologiam. Die Flucht eines Gefangenen (Tropologisch). Text und Ăbersetzung. Mit Einleitung und Erläuterungen herausgegeben von Winfried Trillitzsch, historisch erklärt von Siegfried Hoyer. Leipzig 1964. Eine Kurzinformation Ăźber das Werk steht hier.
cite-note-55. â Auf der Webseite zu einer Bestiarien-Ausstellung der Bibliothèque nationale de France (BNF) Ăźber Tiere in mittelalterlichen Illuminationen lassen sich unter dem Link roman de Renart eine EinfĂźhrung (Audioversion, frz.) in das Werk und Scans einiger Seiten eines Manuskripts der BNF abrufen. Archivierter Text.
cite-note-77. â Jean-Claude MĂźhlethaler: Satire et bestiaire â FigurativitĂŠ animale et rĂŠcriture dans âşRenart le BestournĂŠâš de Rutebeuf. In: Gisela Febel, Georg Maag (Hrsg.): Bestiarien im Spannungsfeld zwischen Mittelalter und Moderne. Gunter Narr Verlag, TĂźbingen 1997.
cite-note-99. â Vgl. Ingeborg SchrĂśbler (Hrsg.): Reinhart Fuchs. 2. Auflage. Halle an der Saale 1952 (= Altdeutsche Textbibliothek. Band 7).
cite-note-1010. â Online sind Textausschnitte aus dem Reinhart Fuchs des Elsässers Heinrich verfĂźgbar.
cite-note-1313. â Transkriptionen der Texte ediert von Jauss (Reynaert I) und ediert von Hellinga (Reynaert II)
cite-note-1414. â Das Fuchsdenkmal in Hulst (Detail)
cite-note-1515. â William Caxton: The History of Reynard the Fox (1481) (Memento vom 15. April 2008 im Internet Archive) nach der Ausgabe von Henry Morley 1889
cite-note-1919. â W. GĂźnther Rohr: Zur Rezeption des Reynke de Vos. In: Berteloot u. a. (1998) S. 103â125; hier S. 104â107.
cite-note-2121. â Rohr in: Berteloot u. a. (1998), S. 107, S. 115.
cite-note-2222. â Rohr in: Berteloot u. a. (1998), S. 122f.
cite-note-2424. â Die Drucke seit 1498 sind erfasst in der Bibliographie von Hubertus Menke: Bibliotheca Reinardiana. Teil I: Die europäischen Reineke-Fuchs-Drucke bis zum Jahre 1800. Stuttgart 1992
cite-note-2525. â Rohr in: Berteloot u. a. (1998), S. 104.
cite-note-2626. â Siehe auch die Abbildungen bei Rohr in: Berteloot u. a. (1998), S. 107, S. 115.
cite-note-2828. â Rohr in: Berteloot u. a. (1998), S. 112.
cite-note-2929. â Rohr in: Berteloot u. a. (1998), S. 118â122.
cite-note-3030. â Alex Bieling: Die ReinekeâFuchsâGlosse in ihrer Entstehung und Entwicklung. Berlin 1884; S. 10f.
cite-note-3131. â Rohr in: Berteloot u. a. (1998), S. 113.
cite-note-3232. â Nach: Jakob Franck: Hackmann, Friedrich August. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 10, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 297 f.
cite-note-3333. â Heinrichs von Alkmar Reineke der Fuchs mit schĂśnen Kupfern; Nach der Ausgabe von 1498 ins Hochdeutsche Ăźbersetzt, und mit einer Abhandlung, von dem Urheber, wahren Alter und groĂen Werthe dieses Gedichtes versehen, von Johann Christoph Gottscheden. Leipzig und Amsterdam, Verlegts Peter Schenk, 1752. Einleitung des Herausgebers, V. Abschnitt, S. 47 und 48
cite-note-3434. â Erich Trunz: Reineke Fuchs. GW, Nachwort Bd. 5; S. 718.
cite-note-3535. â Vgl. Brief an seine Schwester Cornelia vom 13. Oktober 1765
cite-note-3636. â Erich Trunz (GW) Bd. 5, S. 717â719.
cite-note-3737. â Erich Trunz (GW) Bd. 5, S. 726.
cite-note-3838. â Zitiert nach Walter Scherf: Wilhelm Kaulbach und seine Reineke-Fuchs-Illustrationen. In: Reineke Fuchs (1978), S. 256.
cite-note-3939. â Erich Trunz (GW) Bd. 5, S. 723.
cite-note-4040. â Walter Scherf in: Reineke Fuchs (1978), S. 263f.
cite-note-4141. â Walter Scherf in: Reineke Fuchs. (1978), S. 265.
cite-note-4242. â Rohr in Berteloot u. a. (1998), S. 125.
cite-note-4343. â Rohr in: Berteloot u. a. (1998), S. 124.
cite-note-4444. â Ein Fragment aus dem letzten Gesange von Reineke Fuchs. B(erlin) 1871
cite-note-4545. â Digitalisat der anonym erschienenen Ausgabe 1872
cite-note-4646. â Weitere Volksbuch-Ausgaben von Joseph GĂśrres, Gustav Schwab (1817), G.O. Marbach (1840) u. a.
cite-note-4747. â In Luxemburg erschien zum Beispiel 1872 das vom Volksdichter Michel Rodange verfasste Werk Renert oder De FuuĂ am Frack an a Ma'nsgrĂŤĂt. Op en Neis fotografĂŤert vun Engem Letzebreger, ein Epos in luxemburgischer Mundart mit dem Motiv des Reineke Fuchs.(Siehe autorenlexikon.lu, abgerufen am 18. Dezember 2024)
cite-note-4848. â Weblink (Webers Buchillustrationen); Seite mit Fuchsbild (Memento vom 26. Oktober 2007 im Internet Archive). Hegenbarth: Zeichnungen zu Goethes Vers-Epos 1923; Publiziert in: Johann Wolfgang von Goethe: Reineke Fuchs. Insel: Frankfurt am Main 1964; Jubiläumsausgabe 1999 (vergriffen)
cite-note-4949. â Friedrich Rassmann: Reineke Fuchs. Liter. Commissions-Comtoir: Ronneburg 1820
cite-note-5050. â Zum Beispiel: Reineke der Fuchs â eine Sage aus dem KĂśnigreich der Tiere. Nach der niederdeutschen Ausgabe von 1498 Ăźbertragen durch Severin RĂźttgers. KĂśln: Hermann & Friedrich Schaffstein, o. J. (Mit einem Vorwort fĂźr jĂźngere Leser) Der Text erschien in groĂer Fraktur, der Jugendstil-Einband verweist auf ein Erscheinen um 1900. Ebenfalls in Frakturschrift verĂśffentlicht wurde: Reineke Fuchs (Freie Nachdichtung des niederdeutschen Reinke de Vos.) von Fedor Flinzer, Julius Lohmeyer und Edwin Bormann. Glogau: Carl Flemming 1881.
cite-note-5151. â Wiedergefunden 1991/2005; Egbert Barten and Gerard Groeneveld: Reynard the Fox and the Jew Animal (1996)
cite-note-5252. â Franz FĂźhmann (Werke), Band 5. Hinstorff Verlag: Rostock 1993 (Neuauflage der Werkausgabe 1977â1988); S. 317ff.
cite-note-5353. â Reinardus Vulpes. Emendavit et adnotavit Guilelmus Knorr. Utini, impensis Petri Voelckersii, MDCCCLX (sic)
cite-note-5454. â Vgl. zum Beispiel: Bender Deutsches Lesebuch, um 1960: Wie Reineke verklagt und verurteilt wurde und dennoch vom Galgen loskam. Nach dem Volksbuch erzählt von Herbert Kranz. (S. 163â179)
cite-note-5555. â Vgl. Deutschstunden. Lesebuch 7. Berlin 1992; S. 151 (mit einer Erläuterung der prekären Situation Reinekes und der Aufforderung, selbst den Wolf ins Spiel zu bringen zu seiner Rettung, nebst einer Illustration, die Reinekes boshafte LĂśsung nahelegt)
cite-note-5858. â Thorsten Heese: â...ein eigenes Local fĂźr Kunst und Altherthumâ â Die Institutionalisierung des Sammelns am Beispiel der OsnabrĂźcker Museumsgeschichte. Dissertation HalleâWittenberg 2002; S. 382. (PDF; 2,1 MB)
cite-note-5959. â Cambridge, University Library, Inc. 4 F 6.2 (3367)
cite-note-6060. â C. Schiefler: Die deutsche spätmittelalterliche âReinekeâFuchsââDichtung und ihre Bearbeitungen bis in die Neuzeit. In: Aspects of the Medieval Animal Epic. Mediaevalia Lovaniensia Series I/Studias III, LĂśwen 1975; S. 87.
cite-note-6161. â Jan Goossens (Hrsg.): Reynaerts Historie â Reynke de Vos. GegenĂźberstellung einer Auswahl aus den niederländischen Fassungen und des niederdeutschen Textes von 1498. Darmstadt 1983; S. XLIIff. Nach: Amand Berteloot in: Berteloot u. a. (1998), S. 15.
cite-note-6262. â Die historie vÄ reynaert de vos. Nach der Delfter Ausgabe von 1485. Zum genauen Abdrucke befĂśrdert von Ludwig Suhl, Stadtbibliothekar und Subrector am Gymnas. in LĂźbeck. LĂźbeck und Leipzig, 1783 (Digitalisat)
cite-note-6363. â Friedrich Prien: Zur Vorgeschichte des Reinke Vos. Niemeyer: Halle 1880. Sonderdruck aus: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. Bd. 8 (1982), S. 1â53.
cite-note-6464. â Jan Goossens: Der Verfasser des âReynke de Vosâ. Ein Dichterprofil. In: Berteloot u. a. (1998), S. 45â79; Hubertus Menke: Die literarische Subkultur LĂźbecks um 1500. In: Berteloot u. a. (1998), S. 81â101.